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Mindestlohn gilt nicht für Amateursportler

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26.02.2015 - 15:30 | Quelle: sprungwurf.tv

Berlin - Am 03. Juli 2014 beschloss der deutsche Bundestag die seit langem diskutierte Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns. Diesen Beschluss bestätigte der deutsche Bundesrat am 11. Juli 2014 und stimmte dem Inkrafttreten zum 01.01.2015 zu. Alle, die bei diesem Gesetz tatkräftig mitgeholfen haben, sehen durchweg Positives. Möchte man doch mit diesem Vorgehen alle Beschäftigen im Niedriglohnsektor vor Dumpinglöhnen schützen. "Ab dem 1. Januar 2015 gilt der gesetzliche Mindeststundenlohn von brutto 8,50 flächendeckend in Ost und West gleichermaßen, ohne dass irgendeine Branche ausgenommen wird", bekräftigte Nahles.

Doch wurde bei den Überlegungen eine wichtige Frage nicht eindeutig geklärt. Und zwar, wie es um den Amateursport in Deutschland mit dem Mindestlohngesetz (MiLog) bestellt ist. Sind in Deutschland doch knapp 95.000 Vereine betroffen. Allein in der Sportart Handball rund 4.500 Vereine.

Lange wusste keiner so recht wie man mit dem Thema Mindestlohngesetz im Amateursport umgehen soll. Aus diesem Grunde beschlossen sogar einige Fußballvereine ihre Trainingseinheiten zu streichen und stattdessen freiwilliges Training anzubieten. Dies geschah unter anderem beim Regionalligisten Goslarer SC 08. Wie der Verein der "Hannoversche Allgemeinen" mitteilte, "sei das Training jetzt keine Arbeitszeit mehr, die wir anordnen können. Die Teilnahme ist ab sofort freiwillig." Ziel sei es Nachzahlungen und möglichen Strafverfahren vorzubeugen. Aber nicht nur im Fußball war man zu solchen Maßnahmen gezwungen. Auch beim Handballverein Soester TV aus der 3. Liga West ging man zu diesem Schritt über und absolvierte nur noch freiwillige Trainingseinheiten.

Bei der Reservemannschaft des Bundesligisten Füchse Berlin – aktuell in der 3. Liga -  erhalten die Nachwuchsspieler eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 250 Euro im Monat. Dies entspricht einer monatlichen Arbeitszeit von 29 Stunden. Undenkbar für Füchse-Manager Bob Hanning. "Das ist eine schwierige Situation für uns. Das können wir als kleiner Verein nicht stemmen. Die Nachwuchsarbeit ist gefährdet", so Hanning gegenüber der "Süddeutsche Zeitung". Allein die mehrmaligen wöchentlichen Trainingseinheiten sowie die Fahrten zu Auswärtsspielen übersteigen diese erheblich.

Doch nun gibt es Entwarnung seitens Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Bei einem Treffen am vergangenen Montag mit dem DOSB und dem DFB sei man zu der Auffassung gekommen, dass Amateur-Vertragsspieler und andere ehrenamtlich Engagierte nicht unter die Mindestlohnregelung fallen. „Die Anforderungen des Mindestlohns stellen den deutschen Sport und damit auch den Handball vor enorme Herausforderungen. Wir sind über die heute in Berlin gefundenen Möglichkeiten froh, denn damit können die Grundstrukturen des Sports und des Ehrenamtes gesichert werden", so DHB-Generalsekretär Mark Schober in der Pressemitteilung des DHB.

„Das zeitliche und persönliche Engagement dieser Sportler zeigt eindeutig, dass nicht die finanzielle Gegenleistung, sondern die Förderung des Vereins und der Spaß am Sport im Vordergrund stehen”, sagte Andrea Nahles. „Für diese Vertragsspieler ist daher auch dann kein Mindestlohn zu zahlen, wenn sie mit einem Minijob ausgestattet sind.”

Auch wenn von offizieller Seite durch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles ein Machtwort gesprochen wurde, müssen sich die Vereine weiterhin vorsehen. Denn ob die getätigten Worte vor deutschen Gerichten standhalten, sei nicht allzu sicher. Sport- und Arbeitsrechtler Johan-Michel Menke sieht dies kritisch. Gegenüber dem "Norddeutsche Rundfunk" reicht es seiner Ansicht nach nicht aus. Eine Gesetzesänderung müsse her, um Sicherheit in Rechtsfragen zu haben.

Für die Gerichte seien bei möglichen Prozessen nicht die Entscheidungen von Andrea Nahles sowie deren Aussagen Grundlage, sondern die vorherrschenden Gesetze. Nur eine Änderung des Gesetzes kann die Frage um den Mindestlohn im Amateursport beantworten.


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